Das Oppidum „Burgstall“ von Finsterlohr liegt auf der Muschelkalkhochebene über dem Taubertal. Im Norden, Osten und Süden bilden die Schonach- und die Holderbachschlucht zusammen mit dem Steilabfall zur Tauber ein natürliches Annäherungshindernis. Gesichert werden musste lediglich die 1,2 km lange, gegen das Hinderland offene Strecke zwischen den beiden Schluchten. Dennoch war die 112 Hektar große Berghalbinsel mit einer 5,1 km langen Ringmauer befestigt worden. Sie hat sich im Westen als dammartiger Wall erhalten, während sie sonst weitgehend abgerutscht und abgetragen ist. Der Hauptzugang lag an der Nordseite, am Anfang der Holderbachschlucht, wo das „Alte Tor“ noch sichtbar ist. Weitere Tore sind im Gelände nicht zu erkennen.

Ausgrabungen in den Jahren 1903/04, 1910 und 1973 galten der Konstruktion der Mauer und des Tores. Man stieß auf eine Pfostenschlitzmauer mit einer innen angeschüteten Erdrampe. Das Zangentor bestand aus einer 10 Meter breiten und 30 Meter langen Torgasse. An deren Ende stand ein mehrgeschossiger, hölzerner Torbau. Größe der befestigen Fläche, Mauertechnik und Zangentor datieren diese Anlage in die spätkeltische Zeit.

Die drei am Hauptwall nachgewiesenen Bauperioden sprechen für eine längere Nutzung des Oppidums, wobei Anfang und Ende noch nicht geklärt sind. Unklar sind auch noch die Ausmaße der Innenbebauung und damit die Funktion des Oppidums. Schwer zu beurteilen sind auch die historischen Hindergründe, die zur Errichtung und zur Aufgabe dieser Befestigungsanlage geführt haben. Denkbar ist ein Zusammenhang mit den Wanderungen germanischer Stämme in den Jahren 113 – 102 v.Chr.